Gut Kampenhausen (Stokopani) (Wiebe, Cornies), am Asowschen Meer

 

Von Rita Dick (Email) (), alle ihre Berichte.

 

Ortsseiten mennonitische Guts und Gutbesitzer in Russland.

Mennonitische Guts und Gutbesitzer in Russland. Von Viktor Petkau.

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Guts und Gutbesitzer im Ujesd Melitopol, Gouvernement Taurien. Von Viktor Petkau.

 

 

Gutsname: Kampenhausen
Weitere Gutsnamen: Stokopani, Stopokoni, Стокопани, Стопокони.
Ortsnummer: D1278
Koordinaten: 46.277352, 34.941959
Admin. Zuordnung:
Gouvernement
Taurida, Melitopol Ujesd, Juskujskaja Wolostj. Таврическая губерния, Мелитопольский уезд, Юзкуйская волость.
Erworben:
Topografische Lage: [562];
Landfläche: 1.500 Dess. + 5.200 Dess.; 3.918 Dess.; 3.900 Dess. (ca. 1867)
Einwohnerzahl:

Industrie und Handel: 4 Betriebe. Pferdezucht, Baumschule, Ziegelfabrik und Mühle Wiebe Johann Philipp (1899). [103]

Zusatzinformationen: Land am nordlichem Ufer des Asowschen Meeres, in der Nähe der Stadt Genitschesk.
1. Das Gut Kampenhausen (Stokopani). Insgesammt 6700 Desjatin, später entstanden 2 Güter: Kampenhausen mit 3900 Desjatin und Kopaschlee mit 2800 Desjatin. Das Gut Kopaschlee (D1655) wurde aufgeteilt: Kopaschlee mit 1530 Desjatin und Rasdolje (D1292) mit 1270 Desjatin.

Philipp Philipp Wiebe (1816-1870) (#53874) (der Schwiegersohn von Johann Cornies) brauchte mehr Land für seine große Schafherden. Dafür erwarb er ein Gut von der Baronesse von Kampenhausen (1780-1869) neben dem Dorfe Mochovo (amtlich Stokopani), das in einem kleinen Tal lag am nördlichen Ufer des Asowsches Meeres, unweit der Stadt Genitschesk. Philipp Philipp Wiebe bezahlte das zweifache des Preises, d.h. 55 Rubel je Desjatine und mußte sich auf dem Kauf von 5200 Desjatin beschränken. Später kaufte er bei Baronesse noch 1500 Desjatin, von 35 Rubel je Desjatin, und vergrößerte somit seinen Besitz Kampenhausen auf 6700 Desjatin.
Die Gegend wo das Land sich befand wurde in den Papieren durch ein in der Nähe befindliches Dorf bezeichnet, in diesem Falle Stokoppani. Das ganze Land, das von der Baroness von Kampenhausen gekauft wurde, wurde "Kampenhausen" genannt oder Stokopani, nach dem Dorf, das den Ländereien am nächsten lag.
Nach dem Philipp Wiebes Tode teilten die Söhne dieses Gut auf. Das Gut Kampenhausen mit 3900 Desjatin übernahm Johann Philipp Wiebe (#127311) (1850-1918). Und der Rest, 2800 Desjatin, Kopaschlee genannt, an den Philipp Philipp Wiebe (#689512) (1851-1882) fiel.
Der Name „Kopaschlee“ stammt von den dort vor vielen vielen Jahren ansässig gewesenen Tataren und heißt auf deutsch "die brotreiche Niederung".

1a. Johann Philipp Wiebe (#127311) (1850-1918) erbte das Gut Kampenhausen mit 3900 Desjatin.
Das Johann Wiebe gehörende Gut hatte 2700 Desjatin Ackerland, von denen 1300 Desjatin in Parzellen aufgeteilt an die Bauern des ehemaligen Leibeigenendorfes zu ermäßigten Preisen verpachtet wurde. Witwen und Waisen wurde die Pacht in der Regel erlassen. Etwa 1200 weitere Desjatin Ackerland hatte die Familie Wiebe in Eigenbewirtschaftung. Der Rest war unbeachtetes Weideland, auf dem J.Ph. Wiebe Pferde, Schafe und Rindvieh züchtete. Als Milchkühe wurden die schwarzbunten Holländer gehalten. Zwecks Aufzucht guter Arbeitsochsen wurden verschiedene Rassen immer wieder gekreuzt, bis man durch die günstigte Kreuzung des einheimischen Steppenrindes mit Scharole, Simmenthaler und Romanjola den arbeitsfähigsten Zugochsen erhielt.
Ebenso versuchte man, das an das Klima gewöhnte leichte Remonte-Pferd donischen Einschlags durch Kreuzung mit dem Araber-, Percheron- und Oldenburger Pferd zu veredeln. Man kreuzte Merino- Schafe mit dem wallachischen und tschuntukschen Fettschwanzschaf. Das edle Birkshire- Schwein verdrängten das ungeeignete südrussische Steppenschwein. Ferner wurden auf Kampenhausen Kamele, Büffel und Ziegen gehalten. Selbst die Geflügelfarm war vorbildlich. Alle edlen Rassen waren auf ihr vertreten. Man hielt und züchtete den schwarzen und braunen Spitz. In Kampenhausen wurde auf gute, in der südrussischen Steppe widerstandsfähige Rassen hin gezüchtet und die allrussischen landwirtschaftlichen Ausstellungen und Tierschauen belohnten diese züchterische Arbeit, in dem sie die Kampenhausener Zuchtexemplare mit silbernen und goldenen Medaillen prämierten.
Die Witwen und Waisen der in der Nähe Kampenhausen gelegenen Russendörfer wurden von Johann Wiebe regelmäßig unterstützt. Aus den Speichern von Kampenhausen erhielten sie allwöchentlich das Notwendige zum Leben. Für die Kinder der Arbeiter von Kampenhausen hatte er eine eigene Lehrkraft eingestellt, weil ihm die Staatsschule des Russendorfes nicht genügte.
Bis zum Jahre 1905 wurde Kampenhausen von Cornelius Wiebe und Nikolaj Penner verwaltet, die Johann Philipp Wiebes Angestellte waren.
Johannes Johann Wiebe (#127313) (1885-1966), der Sohn von Johann Ph. Wiebe, übernahm Kampenhausen von 1905 bis 1909. Danach ging das Gut an Johannes Schwester Elisabeth Johann Cornies (geb. Wiebe) (#603882) (1881-1953). Ihr Mann Peter Peter Cornies (1883-1937) (#453569) übernahm das Gut Kampenhausen 1909.
Wie wäre das Gut Kampenhausen ohne Krieg und Revolution, kann man es nur vermuten. Es gibt heute kein einziger Nachkomme von Johann Philipp Wiebe. Diese Zweig der Familie Wiebe ist ausgestorben. [23]; [530]

Information aus [125 S. 97]: Eine Reihe von Großgrundbesitzer in der Region Kampenhausen:

1. Cornies, Johann. Errichtet sein drittes Anwesen in diesem Bereich, 2.009 Dess. im Jahre 1908.

2. Kopaschlee (D1655). Im Besitz von Katharina Heinrich Wiebe. Adresse angegeben als Jelan-Sagatsch, Taurida. 2.818 Dess. Witwe Katharina Heinrich Wiebe (geb. Klassen) (#689514) (1851- 1914), die Frau von Philipp Wiebe (1851-1882) (#689512)

 

3. Stokopani (D1022). Gekauft von Philipp Wiebe (1816-1870) (#53874), Schwiegersohn von Johann Cornies, 6.700 Dess. Seit 1867 sein Sohn Johann Philipp Wiebe (1850-1918) (#127311).

4. Wiebe, Johann Philipp 3.918 Dess. aufgeführt in 1908 Forstei List. Könnte Teil von Stokopani Gut (D1022) sein. Johann Philipp Wiebe (1850-1918) (#127311) geb. in Juschanlee, Molotschna, gest. in Ohrloff, Molotschna. Im gehörte auch Gut Schelegino bei Petropawlowsk (D1187). [125 S. 97].

 

Information aus [125 S. 206, 443]: ... Gekauft von Philipp Wiebe (1816-1870) (#53874), Schwiegersohn von Johann Cornies, 6.700 Dess. Zuerst kaufte er von Baronin Kampenhausen, 1.500 Dess. bei 35 Rubel pro Dess. später dann weitere 5.200 Dess. bei 55 Rubel pro Dess. Pferde, Rinder, Schweine, sogar Kamele, Büffel und Ziegen und Geflügel. Hat den Viehbestand verbessert. Auch Getreide. Spärer im Besitz von Johann Philipp Wiebe (1850-1918) (#127311) geb. in Juschanlee, Molotschna (D0670) erbte um 1867 3.900 Dess. (3.918 Dess.). Bis 1904 unter der Leitung von Kornelius Wiebe und Nikolai Penner, dann Johann (Sohn von JPW) bis 1909, dann von Peter Cornies (JPW Schwiegersohn). [125 S. 206, 443]. 

Guts von Nachkommen von Johann Martin Cornies (1741-1814).

Quellen: [23]; [48 S. 120]; [103]; [125 S. 97, 206, 443]; [333 S. 14]; [530]; [408]; [540 20. Oktober 1954 S. 4]

 
   
Quellen:
14. Grandma Datenbank. CMHS Fresno, USA. 2018. Beschreibung.
 

23. Fotos und Informationen von Rita Dick (), alle ihre Berichte.

48. Als ihre Zeit erfüllt war. 150 Jahre Bewahrung in Russland. Walter Quiring, Helen Bartel. Saskatoon, Saskatchewan. 1963.

103. Liste der mennonitischen Industrie- und Handelsunternehmen in Russland.

125. Mennonite Estates in Imperial Russia. Second Edition rev. and expanded. Helmut Huebert. Winnipeg, Canada. 2008.

151. Mennonitische Orte in Russland in Google My Maps. Von Andreas Tissen und Viktor Petkau.

333. Jahresbericht des Bevollmaechtigten der Mennonitengemeinden in Russland in Sachen der Unterhaltung der Forstkommandos im Jahre 1908. Von Michael Penner.

408. Informationen aus dem Privatarchiv von Frau Heiderun v. Issendorff, die Ururenkelin von Philipp Wiebe (1816-1870).

530. Johann Philipp Wiebe. Sein Leben und Wirken in der Mennoniten Siedlungen in Rußland. Regehr N. Steinbach, Manitoba. Echo-Verlages, Buch 8, 1952.

540. Zeitung "Der Bote" 1924-2008.

562. Karte Ujesd Melitopol, Gouvernement Taurien 1911. Neben Fürstenland Kolonie auch sehr viele mennonitische Guts aufgezeichnet sind (rosa unterstrichen) und der westliche Teil von Molotschna vorhanden. (russisch) von Viktor Petkau.

 
 

Bilder und Fotos Gut Kampenhausen (Wiebe, Cornies), am Asowschen Meer.

Gut Kampenhausen (Wiebe, Cornies), am Asowschen Meer in Google My Maps. Von Andreas Tissen und Viktor Petkau.

Ortsseite Gut Kopaschlee (Philipp Philipp Wiebe), am Asowschen Meer. Von Rita Dick.

Ortsseite Gut Rasdolje (Philipp Philipp Wiebe), Taurida. Von Rita Dick.

 
Zuletzt geändert am 15 Dezember 2018