Willi Vogt. Mennonitische Ahnenforschung



Gemeindebericht 1848, das Molotschnaer Mennonitengebiet

 

Gemeindebericht 1848, Mennonitenkolonien.

42. Waldheim

Diese Kolonie wurde im Jahre 1836 gegruendet. Es siedelten in demselben Jahr 8 Wirte, im Jahr 1838 — 12 und 1840 — 20 Wirte an. Das Schulzenamt haben versehen: Kornelius Wedel 10 Jahre und Christian Schlabach im zweiten Jahr.
Die Kolonie liegt am Fluesschen Behemtschukrak und grenzt im Osten an das Land des Kronsdorfes Tschernigowka, im Sueden an die Kolonie Gnadenfeld, im Westen an die neugegruendete Kolonie Hierschau, im Norden an das Kronsland, welches der Mennonit der Kolonie Schoensee Heinrich Janzen in Pacht hat. Die Kolonie ist 80 Werst von Berdjansk und 350 Werst von Simferopol entfernt. Der sehr verschiedenartige, schwarze, grandige, steinichte und gelblehmige Boden ist fuer den Getreidebau sehr geeignet. Auch gibt es trotz der hohen Lage Heu im ueberfluss.
Die 68 Familien dieser Kolonie (1855: 40 Wirtschaften, 91 Anwohnerfamilien, insgesamt 488 Maenner, 473 Frauen; 1857: 43 Wirtschaften, 205 Maenner, auf 2840 Desj. und 59 landlose Familien, 296 Maenner.) sind aus dem Gouvernement Wolhynien gekommen, und zwar von folgenden Orten: 1) aus der Kolonie Ostrowa im Lutzkischen Kreise auf den Guetern des Edelmannes Michael Bitschkowskij, wohin sie aus dem Kreise Rokonosch unweit des Staedtchens Wissotzk von der Grundherrschaft des Edelmanns Watzlaf Vorainy gekommen waren. 2) aus der Kolonie Wolla auf den Guetern des Edelmanns Ignat Bitschkowskij, wohin sie von der Grundherrschaft des Grafen Olisarow beim Staedtchen Rawalowka im Lutzkischen Kreise gekommen waren und 3) aus dem Kreise Nowograd Wolhynsk vom Gute des Fuersten Ljubomirskij. Ihre zumeist verstorbenen Vaeter aber sind in den Jahren 1806 bis 1818 aus der Provinz Neumark bei Driesen und vom Dorfe Schwez in Westpreussen an die genannten Orte gewandert. Ihr Sachwalter bei der Auswirkung der Erlaubnis zur uebersiedlung seitens der hohen Krone und ihr Fuehrer auf der Reise von Wolhynien in den Molotschnaer Mennonitenbezirk im Jahre 1835 ist Kornelius Wedel gewesen.
Das mit Erlaubnis der hohen Krone durch Vermittlung des Vorsitzers des landwirtschaftlichen Vereins Johann Kornies und des Molotschnaer Mennonitengebietsamtes den Ansiedlern zugewiesene Land hatte vorher der genannte Kornies in Pacht gehabt und war gaenzlich leer. Die zum Teil ganz unbemittelten Ansiedler haben von der Krone keinerlei Unterstuetzung erhalten; die notwendige Mithilfe ist ihnen von Seiten der alten, schon frueher angesiedelten Wirte zu teil geworden. Ihr mitgebrachtes Vermoegen kann sich auf 400 Rubel Silber belaufen haben.
Da die Ansiedler in Wolhynien meistenfalls in Waldungen gelebt haben, gab Johann Kornies ihrer Kolonie den Namen Waldheim.

Schulz Schlabbach
Beisitzer: David Kuehn, Johann Fast
Schullehrer Heinrich Dirks


Quelle: Odessaer Zeitung. 42. Jahrgang, 1904, Nr. 229


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Zuletzt geaendert am 1 Mai 2008