Willi Vogt. Mennonitische Ahnenforschung



Gemeindebericht 1848, das Molotschnaer Mennonitengebiet

 

Gemeindebericht 1848, Mennonitenkolonien.

19. Rosenort

Die Kolonie ist im Jahre 1805 am Kurudujuschanlee gegruendet worden. Sie liegt in der Flussniederung auf ebener Flaeche. Die Dorfstrasse zieht sich parallel mit dem Flusse hin, welcher 11 Werst westlich in die Molotschna muendet. Ein Steppenfluss vereinigt sich noerdlich vom Dorfe mit dem Kurudujuschanlee und erweitert die Niederung, welche im Winter bei eintretendem Tauwetter oder auch im Sommer bei grossen Regenguessen ueberschwemmt wird, wie auch der Hauptfluss sich ueber das angrenzende Land der Gemeindeschaeferei ergiesst. Vier Daemme fassen das Wasser bis zu 6 Arschin Tiefe und beim Anschwellen desselben werden die Heuwiesen in der Niederung auf kurze Zeit in einen Wassersee verwandelt. Am rechten Ufer des Flusses, nordwestlich vom Dorfe ist eine Sand- und Grandgrube, die den Bewohnern dieser und aller angrenzenden Kolonien besonders beim Haeuserbau gute Dienste tut. Von der jetzigen Kreisstadt — Berdjansk 100 Werst, von Orechow 52 Werst.
In den ersten Jahren des vierten Jahrzehnts wurde die Gehoelzplantage auf jeder Seite des Dorfes zu einer halben Dessjatine auf den Wirt angelegt. Gegenwaertig sind die Baeume von folgender Groesse: Pappeln bis zu 27 Arschin hoch und mit 26 Werschock Umfang, Eschen mit einer Hoehe von 16 Arschin und einem Umfang von 12 Werschock. Der Boden in der Niederung ist zum Graswuchs mittelmaessig geeignet, die aecker bestehen auf den kleinen Bergruecken aus lehmiger Schwarzerde; wenige Stellen sind unbrauchbarer Lehmboden.
Der Gruender dieser Ansiedlung, der hiesige Mennonit Johann Warkentin aus Blumenort im Elbinger Werder, wo auch ein Rosenort liegt, hat diese Kolonie zur Erinnerung an den frueheren Wohnort Rosenort genannt.
Die hier angesiedelten 20 Familien (1855: 20 Wirtschaften, 40 Anwohnerfamilien, insgesamt 137 Maenner, 142 Frauen; 1857: 20 Wirtschaften, 121 Maenner, auf 1300 Desj. und 8 landlose Familien, 48 Maenner) sind aus mehreren Orten aus dem Werder, einer Insel zwischen der Weichsel und Nogat, hierher gekommen. Folgendes Verzeichnis gibt die Namen der Ansiedler.
Peter Born
Klaas Dick
Heinrich Wiebe
Franz Thiessen
Gerhard Fast
Johann Neufeld
Gerhard Rempel
Philipp Warkentin
Jakob Janzen
David Boschmann
Heinrich Hamm
Peter Thiessen
Gerhard Zacharias
Isaak Enns
Klaas Siemens
Peter Born
Jakob Wiens
Johann Klassen
Jakob Berg
Dirk Wiebe
Die Einwanderung geschah in mehreren Partien und ohne besondere Anfuehrer. Die namadisierenden Tataren, welche diese Steppe benutzten, mussten zwar bei der Ankunft der Deutschen auf Anordnung der Obrigkeit die Gegend raeumen, blieben aber gefaehrliche Nachbarn.
Ein besonders trauriges Ereignis traf die Kolonie im Jahre 1811 in der Nacht vom 19. auf den 20. April. Der Ansiedler Jakob Berg, welcher Gebietsbeisitzer war, fuhr mit dem Sohne des Klaas Wiens Jakob und einem Fremden, namens Dirk Reimer in Kolonialangelegenheiten, um die Landvermessung zu befoerdern, des Abends ueber die Steppe. Sie wurden von Tataren ueberfallen und ermordet. Des anderen Tages fand man ihre Leichen auf der Steppe der Kolonie Tiege. Durch die geraubten Sachen wurden die Moerder entdeckt.
In der Kolonie befindet sich eine Ziegelei, welche den Wirten Peter Friesen und Johann Warkentin gehoert und den Haeuserbau befoerdert.
Im Jahre 1825 den 22. Oktober wurde die Kolonie des Besuches Sr. Majestaet Kaiser Alexander I. gewuerdigt und im Jahre 1825 des Besuches des Grossfuersten Konstantin Nikolajewitsch. Des Umweges halber ist die Kolonie von anderen hohen Personen nicht besucht worden.
Der Seidenbau hat sich in wenigen Jahren bedeutend erhoeht und gewaehrt den taetigen Wirten eine Einnahme von 30 bis 60 Silberrubel. Ebenso ist der Ackerbau und die Gartenkultur in erfreulichem Aufbluehen begriffen.

Schulz Wiens.
Beisitzer: Fast, Friesen.
Schullehrer Bernhard Fast.


Quelle: Odessaer Zeitung. 42. Jahrgang, 1904, Nr. 191


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Zuletzt geaendert am 1 Mai 2008