Willi Vogt. Mennonitische Ahnenforschung



Gemeindebericht 1848, das Molotschnaer Mennonitengebiet

 

Gemeindebericht 1848, Mennonitenkolonien.

29. Pordenau

Die Ansiedlung begann im Jahre 1820, wo anfaenglich meistens nur Stallungen fuer's Vieh erbaut wurden, in welchen auch die Ansiedler Unterkunft suchten. Nur einige vermoegendere Leute errichteten sich Wohnhaeuser aus Luftziegeln, die obgleich sie nicht so schoen wie die jetzigen waren, doch das kummervolle Leben der Ansiedler bedeutend erleichterten. An Auschmueckungen wurde damals der Armut wegen nicht gedacht; der jetzige Wohlstand hat sich erst nach mehreren Jahren entwickelt.
Die Kolonie befindet sich an der Suedseite des Fluesschens Tschokrak, welches aus Osten kommend und Steinbach durchschneidend in die Juschanlee muendet. Im uebrigen befinden sich hier keine Niederungen, weshalb der Ertrag an Heu auch sehr unbedeutend ist. Das Vieh wird im Winter meistenteils mit Stroh genaehrt. Durch einige Haeckselmaschinen wird das Stroh fuer's Vieh schmackhafter gemacht. Die Beschaffenheit des Bodens ist folgende: die Oberschicht ist 3 Fuss tief fruchtbare schwarze Erde, dann folgt 8 Fuss tiefer gelber Lehm, weiterhin kommt Stein, weshalb das 25 bis 35 Fuss tiefe Wasser nur mit vieler Muehe erreicht wird. Steinbrueche befinden sich nur am Flusse Juschanlee, welcher im Norden die Grenze des Landes bildet; das Suedende wird von der Nogaiersteppe begrenzt. Waldungen gibt es hier ausser den auf den Wunsch des Kaisers Alexander I. angepflanzten keine.
Die Benennung Pordenau ist von einigen Ansiedlern, welche aus einem gleichnamigen preussischen Dorf stammten, auf diese Kolonie uebertragen worden.
Urspruenglich siedelten sich hier 14 Familien aus dem Marienburgischen Kreise in Westpreussen an, gleichzeitig gesellten sich zu ihnen noch 2 Familien aus der Molotschnaer Mennonitenjugend, spaeter kamen noch 2 Familien aus dem Wohnorte der ersteren und 2 Familien aus denjenigen der letzteren hinzu. (1855: 20 Wirtschaften, 35 Anwohnerfamilien, insgesamt 144 Maenner, 131 Frauen; 1857: 20 Wirtschaften, 119 Maenner, auf 1300 Desj. und 4 landlose Familien, 22 Maenner.) Das Land hatte damals Johan Cornies in Pacht, welcher es an tatarische Herdenbesitzer weitergab. Die eigenen aus dem Auslande gebrachten Mittel genuegten den Ansiedlern lange nicht zur ersten Einrichtung, weshalb ihnen die Krone einen Vorschuss von 6268 R. 74 K. Banko gewaehrte. Bei einem Gewitter entzuendete der Blitz ein Haus und der Hausvater verbrannte, wahrscheinlich vom Blitz getroffen, mit.
Der uebrige Verlauf der Geschichte dieser Kolonie weist keine von denjenigen der anderen Kolonien abweichenden Zuege auf.

Schulz Johann Duck.
Beisitzer: Jakob Epp, Isaak Barg.
Schullehrer Wilhelm Martins.
Pordenau, den 15. April 1848.


Quelle: Odessaer Zeitung. 42. Jahrgang, 1904, Nr. 208


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Zuletzt geaendert am 1 Mai 2008