Willi Vogt. Mennonitische Ahnenforschung

 

Zeitschrift: "Botschafter" 1905-1914. David Epp. Jekaterinoslav
Artikel: Ereignisse aus dem 17. Jahrhundert. Gerhard G. Klassen. Botschafter. 13. Maerz 1914, Seite 2
 
 
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Ereignisse aus dem 17. Jahrhundert

Als der Deputierter Jakob Hoeppner, Fuehrer der Chortitzer Mennoniten, bei der Einwanderung aus Deutschland, anno 1789 sich in Russland mit etlichen Familien auf der Insel Chortitza niederliess, hatten sie die Absicht, in gemessener Entfernung voneinander Farmwirtschaften einzurichten und zwar der Art, wie sie es in Preussen gewohnt waren, und im Zentrum der Farm zu wohnen. Jakob Hoeppner baute sich auch sogleich sein Haus in dem sogenannten Kirschengarten, am "Butendick". Sie waren aber noch nicht alle fertig mit den Haeusern, als sie schon die Notwendigkeit erkannten, enger zusammenzuziehen, resp. In geschlossenen Kolonien anzusiedeln, um so gegen Raubueberfaelle mehr gesichert zu sein. Hoeppner hatte solches schon einmal erfahren muessen und zwar auf folgende Weise:
Als er eines Abends bei bewoelktem Himmel und grosser Dunkelheit mit noch zwei Gefaehrten von einer Geschaeftsreise zurueckkehrte und bei seinem Hause anlangte, war auffallenderweise niemand von seinen Hausgenossen weder zu sehen noch zu hoeren. Der Regen ging in Stroemen hernieder, ein greller Blitz zerriss einen Augenblick die Dunkelheit und liess die naechsten Gegenstaende erkennen. Da sieht Hoeppner zu seinem groessten Schrecken zwei Moerder vor sich mit der Absicht ihn mit __________[Text fehlt]. Das Messer traff aber gegen den Hosenknopf, ging abseits und zerschnitt ihm nur seine Hosen. Der zweite Raeuber hatte eine Flinte auf ihn gerichtet und Hoeppner waere unzweifelhaft die Beute des Todes geworden, wenn nicht die durchnaesste Zuendmasse des Gewehrs versagt haette. In dem Moment, als Hoeppner seine Reisegefaehrten zur Abwehr anspornte, erhielt er einen gewaltigen Schlag mit dem Flintenkolben auf den Arm, was ihn kampfunfaehig machte. Sofort wurde er samt einem seiner Gefaehrten, namens Abraham Friesen, von der Übermacht der Raubmoerder ueberwaeltigt und gebunden. Dem dritten Gefaehrten, Peter Hildebrandt, jedoch gelang es zu entfliehen. Die maskierte Raeuberbande, 6 Mann stark, wurde trotzdem erkannt. Es waren Kaufleute von der naheliegenden Stadt Alexandrowsk und waren schon bei Tage in Hoeppners Wohnung eingedrungen. Sie hatten alle Bewohner des Hauses gebunden, die wertvollsten Sachen zusammengepackt, sich mit Hoeppners Gewehren bewaffnet und ihn so erwartet, um Geld zu erpressen, das nach ihrer Meinung da sein muesse, sie aber nicht finden konnten.

         
 
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Zuletzt geaendert am 7 Januar 2007.